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08.08.16

Pennisetum 'Hameln' - eigene Züchtung mit Wertzeugnis

Am 4. September 1896 gründete Heinrich Junge unsere Staudengärtnerei in Hameln. Er war ein sehr motivierter und engagierter Züchter, der viele Sorten gezüchtet hat. Einige davon sind noch heute auf dem Markt. Aber auch nachfolgende Generationen, inzwischen die vierte, haben Pflanzen gezüchtet, selektiert oder neu eingeführt. Einige dieser Pflanzen, die in diesen 120 Jahren gezüchtet worden sind, stelle ich Ihnen in lockerer Folge in vor.

Pennisetum alopecuroides 'Hameln'

Manchmal genügt ein aufmerksamer Blick um die Geschicke der Gartenkultur dauerhaft zu prägen.

Fritz Junge, Sohn des Firmengründers Heinrich, war schon reif für den Ruhestand als ihm beim Gang durch die Pflanzquartiere etwas auffiel. Sein geschulter Gärtnerblick blieb an einem einzelnen Lampenputzergras hängen, das anders aussah als die Anderen. Der Wuchs war schön kompakt und die walzenförmigen Blüten standen deutlich über dem Laub und kamen so im Sonnenlicht besonders zur Geltung.

Pennisetum Hameln

Die Familientradition erzählt noch heute davon, wie er seinen Schwiegersohn Hans-Friedrich mit den Worten "die ist etwas Besonderes, die müssen wir mal separieren" den Auftag zur Vermehrung dieser einen Pflanze gab. Im Gärnerlatein bedeutet dies nichts anderes als aus dieser einen Pflanze mit einer neuen und positiven also "gartenwürdigen" Eigenschaft viele weitere zu vermehren und zu schauen, ob diese Eigenschaft den erhofften Gartenwert erfüllt.

Der Versuch war erfolgreich, bald schon hatte man in der Gärnerei Stauden Junge die nächste Generation der einen "Mutterpflanze" vermehrt. Was lag näher als ihr den Sortennamen 'Hameln' zu geben, nach der schönen Rattenfängerstadt, in der sich die Gärtnerei befindet.

Offiziell eingeführt als Neuzüchtung wurde Pennisetum 'Hameln' um 1970, im Stauden-Junge Katalog taucht sie erstmal 1971 auf.

Bereits 1978 wurde sie von der "Deutschen Gartenbaugesellschaft e.V." als Pflanze mit „gartenkultureller Bedeutung“ gelobt. Auch die Internationale Studen Union hat sie ausgezeichnet, was in Gärtnerkreisen fast einem Hollywood Oskar gleichkommt.

In der Staudensichtung, bei der an mehreren Standorten in Deutschland Stauden und Gräser getestet werden, bekommt sie drei Sterne als „ausgezeichnete Sorte“. Besser geht es nicht!

Dass Pennisetum 'Hameln' nicht nur eine Modeerscheinung war zeigt sich daran, dass sie inzwischen weltweit Verbreitung gefunden hat und immer noch viel verwendet wird.

Sie ist langlebig, verträgt viele Bodenarten, passt vom Habitus her eigentlich in jedes sonnige Staudenbeet in Einzelstellung oder in Parkanlagen auch mal flächig gepflanzt. Seine Ähren fangen den Morgentau ebenso wie die Mittagssonne ein. Und im Winter legt sich der Rauhreif und der Schnee auf das stabile Gras und die Rispe. 

Das Wertzeugnis zeigt noch den alten Namen Pennisetum compressum 'Hameln'. Doch Botaniker haben entschieden, dass die korrekte Bezeichnung Pennisetum alopecuroides 'Hameln' ist.